Das Wort zur Woche (25. Januar 2026 – Dritter Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A)

Katharina Nowak
Lars Schäfers ist Referent des Wuppertaler Stadtdechanten.

Umkehr statt Vorsätze

Liebe Leserinnen und Leser,

„Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe.“ Mt 4,17

Das klingt fast wie eine Drohung, doch es ist eine Einladung. Jesus sagt nicht: „Strengt euch mehr an.“ Er sagt auch nicht: „Ihr habt versagt.“ Er sagt: Gott ist nahe. Und weil Gott nahe ist, kann sich etwas grundlegend ändern.

Alle Jahre wieder wollen zu Jahresbeginn viele Menschen Teile ihres Lebens durch gute Vorsätze ändern. Ein besonderer Trend ist dabei heute der sogenannte „Dry January“, in dem ein Monat lang auf Alkohol verzichtet werden soll. So knallen denn auch allerspätestens nach einem Monat wieder die Korken und alles ist wieder beim Alten – und so ergeht es auch den meisten anderen guten Neujahrsvorsätzen.

Dies alles ist aber nicht gemeint, wenn Jesus zur Umkehr aufruft. Umkehr bedeutet nicht zuerst, den eigenen Lifestyle zu optimieren, gar perfekt zu werden. Umkehr heißt in einem tiefen Sinn ganzheitlich neu zu denken, neu zu sehen, sich neu auszurichten. Christlicher Glaube beginnt nicht mit Leistung, sondern mit der Erfahrung: Ich bin nicht allein, denn Gott und sein Reich sind mir näher, als ich oft glaube.

Unmittelbar nach seiner Weisung zur Umkehr ruft Jesus Menschen in seine Nachfolge:

„Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er zwei Brüder, Simon, genannt Petrus, und seinen Bruder Andreas; sie warfen gerade ihr Netz in den See, denn sie waren Fischer. Da sagte er zu ihnen: Kommt her, mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen. Sofort ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm nach.“ Mt 4,18-20

Jesus beruft offenkundig keine Gelehrten, keine religiösen Spezialisten, sondern Fischer bei der Arbeit. Menschen mitten im Alltag. Jesus hält keine lange Rede, er erklärt kein Programm, er verspricht keine Sicherheiten. Und das Erstaunliche ist: Sie lassen alles zurück. Das ist kein romantisierendes Idealbild, sondern ein Zeichen dafür, dass Umkehr und Nachfolge immer ein Wagnis sind – auch heute. Vielleicht nicht, indem wir gleich unseren Beruf aufgeben, aber indem wir Gewohntes hinterfragen, festgefahrene Haltungen loslassen, Ängste nicht mehr das letzte Wort haben lassen und immer mehr Liebende werden. Christus nachzufolgen heißt, ihm als Person und in seinem Handeln ähnlicher zu werden.

Umkehr bedeutet kein Verzicht auf dieses oder jenes – dafür ist immer noch die bald bevorstehende Fastenzeit da –, sondern ein sich Hinkehren zu diesem Christus und von ihm her die Welt und sich selbst neu sehen lernen. Das ist ein Prozess; wer zur Nachfolge umkehrt, tut es lebenslänglich. Und deshalb ist es wichtig sich als Christin oder Christ immer wieder sagen zu lassen:

„Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe.“ Mt 4,17

Eine gesegnete Woche wünscht Ihnen 
Ihr Lars Schäfers

Alle "Wochenworte" finden Sie in unserem Weblog "Kath 2:30":
"Wort zur Woche" auf Kath 2:30

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